Lackschaden ausbessern

Prompt im Urlaub ist es passiert. Aus dem Nürburgring-Parkhaus rausgefahren und leicht einen Randstein mitgenommen. Gott sei Dank spart der Camaro ja ordentlich Gewicht durch seine Plastikteile.
Links unten an der Nase habe ich mir ein paar Kratzer in den Kunststoff gefahren.

Der weiße Bereich ist der beschädigte, bereits abgeschliffene Bereich

Zu Hause ging es dann gleich an die Ausbesserung. Die Farbe und Klarlack habe ich noch am Nürburgring bei Lackstift24.de bestellt. Bei der Firma habe ich schon häufiger Lackstifte und Sprays gekauft und wurde noch nie enttäuscht.

Im Gegensatz zum Firebird (Lacktyp-Nr-Aufkleber in der Türe) ist beim Camaro der Farbtyp nicht so einfach zu finden. Der Aufkleber befindet sich unter dem Kofferraumteppich auf der linken Seite…zumindest beim 5th Gen.

Wer sich absolut nicht sicher ist kann auch zu einem Lackierer zur Farbbestimmung fahren und sich dort den Lack gleich mischen…oder die Reparatur dort durchführen lassen. Je nach Schaden rangiert das etwa zwischen 200 – 400 Euro.

Da der Schaden nicht groß und die Stelle relativ unauffällig war habe ich mich dazu entschieden die Ausbesserung selbst zu machen.

Was braucht man dazu?

Die “Werkzeuge” für eine Lackausbesserung

Von links nach rechts:

Mahlerkrepp – kein Panzertape oder ihr macht Euch dort den Lack auch kaputt
Nasses und trockenes feines Schleifpapier – um die Oberfläche zu ebnen und Kunststofffetzen zu entfernen
Schleifpaste – liegt da, wurde aber nicht gebraucht
Plastiktüten – zum weiträumigen Abkleben des guten Lacks
Der Lack selbst – Farbiger Lack…es leuchtet farbig
Spüli und Wasser – die Stelle sollte Dreck- und Fettfrei sein…auch nicht gewachst
altes Handtuch – zum Abtrocknen und Reifen abhängen. Lack auf Reifen = nicht gut
Pappkarton – Auf öffentlichen Grund will man ja nicht den Randstein mit lackieren

Die Ausführung:

Schritt 1: Abschleifen der Schadstelle
Hier solltet ihr zuerst die Stelle genau anschauen. Ist das Bauteil gebrochen müsst ihr es vorher kleben. Bei kleineren Rissen reicht Sekundenkleber aus dem Bastelbedarf, wer sich traut kann bei stärken Beschädigungen zu diversen Harzen und Spachtelmasse greifen. In meinem Fall war hauptsächlich der Lack beschädigt und ein paar Riefen im Kunststoff. Hier hat es gereicht mit wenig Druck ein feines Trockenschleifpapier ein paar Mal über die Stelle zu führen. Ruhig auch ein bisschen neben raus, dann wird der Übergang später schöner. Nicht zu fest, ihr wollt ja nicht wirklich Material wegnehmen oder durch die Karoserie durch. “Sche mit Gfui” so wie man in Bayern sagt.

Schritt 2: Reinigen
Spüli und Wasser verbinden…Trägermaterial wählen (kein Schleifpapier) und putzen…sollte klar sein.

Schritt 3: Abkleben

Gummiteile mit Krepp abkleben, dann die Plastiktüten vorbereiten und möglichst eng anliegend anbringen. Nehmt das gute Krepp…das hält wenigstens.
Die abgeklebte Fahrerseite…man weiß ja nie wo überall Farbe landen kann. Und auf Scheinwerfern will man sie gleich gar nicht haben.

Großräumig die Stelle abkleben…die Stelle selbst muss natürlich frei bleiben. Gesprüht wird aus etwa 20 cm Entfernung. D.h. der Sprühnebel ist recht fein und großflächig. Hier ist größer mal besser. Lieber sind die Plastiktüten danach blau als der schöne mattschwarze Kühlergrill.

Schritt 4: Lackieren

Auch wenn die Spraydose groß ist, jetzt ist ein wenig Fingerspitzengefühl gefragt. Auf der Dose steht man soll “mehrere Schichten zu je 5 mü” auftragen. Wir übersetzen: Mehrmals lackieren und sehr dünn sprühen. Das bedeutet weit weg…eben die schon erwähnten 20 cm. Hat man einen Metallic- oder Effektlack, dann ist ein Klarlack ein Muss.

Schritt 4.1: Farblack
Kreuzweise zuerst von oben links nach unten rechts, dann von oben rechts nach unten links lackieren. Gut das wir groß abgeklebt haben. Nach 2 Minuten Schütteln (das sollte man wirklich machen) am besten kurz auf dem Pappkarton ansprühen. Dann am besten über dem abgeklebten Bereich ansetzen…einmal die Bewegung üben, dann wird die Hand ruhiger. Beim zweiten Mal wieder ansetzen, auf den Sprühknopf drücken und sobald die Farbe kommt, mit einer gleichmäßigen, gefühlvollen Bewegung in einer geraden Linie sprühen. Mit schnellen, kurzen Farbstößen kann man jetzt noch den Bereich ein wenig ausbessern. Bilden sich Tropfen war man zu langsam oder zu nah dran…oder beides. Lack trocknen lassen, dann kann man die Tropfen abschleifen und ausbessern.
Ich habe bei der Stelle 3 Durchgänge gemacht. Also genau:
Von Links sprühen – von Rechts sprühen – 20 Minuten warten und das 3x.
Noch unterscheidet sich der Lack von seiner Umgebung, man sollte nur prüfen ob man die Stelle auch wirklich komplett lackiert hat.

Schritt 4.2: Klarlack
Vor dem Klarlack prüft man am besten ob der Farblack schon trocken ist. Je nach Umgebung dauert das mal länger mal kürzer. Auch der Klarlack will 2 Minuten geschüttelt werden. Wie der Farblack, jedes Mal vor dem Sprühvorgang.
Die Sprühtechnik ist die gleiche. Hier reichen 1-2 Durchgänge und eine Trocknungsdauer zwischen 6-10 Minuten.
Verwendet ihr anderen Lack, achtet am besten auf die Beschreibung auf der Packung und verwendet die Zeitangaben des Herstellers.

Fazit:
Mit einer ruhigen Hand bin ich noch mal mit blauem Auge davon gekommen. Die Stelle ist sehr gut geworden und fällt kaum auf…es sei denn man streicht drüber. Danke auch an meinem Vater für die Hilfe.
Warum nicht grundieren? Kunststoff rostet nicht, von daher besteht keine Not und durch das Schleifen ist der Untergrund bereits aufgeraut. Die Farbe kann also gut halten.

Noch ein Tip: Wenn man viel oder groß lackieren will oder in der Garage empfehle ich einen Atemschutz zu tragen.

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